2015
Montag, 5. Januar 2015
Alpenpflanzen – Endemiten von den Ligurischen Alpen bis zum Wiener Schneeberg
Herbert Sauerbier, Lauchringen, Deutschland
In den Alpen kommen etwa 4’000 Pflanzenarten vor. Mit etwas über 400 Arten liegt der Anteil an Endemiten bei etwa 10%. Im Vortrag werden die schönsten und seltensten Arten und Unterarten präsentiert. Außerdem wird auf die Verbreitung und die Gefährdung der einzelnen Arten eingegangen.
Montag, 19. Januar 2015
Von der Sonora-Wüste in Arizona bis in die Redwood-Wälder Nordkaliforniens
Sabine Tschäppeler, Stadtgrün Bern
Der äusserste Westen der USA ist von Extremen geprägt und beeinflussen die Muster der Vegetation: Dauernde hohe Luftfeuchtigkeit an den Küsten bis extreme Trockenheit im Landesinnern, Meereshöhe bis zu den 4000er- Gipfeln der Sierra Nevada aber auch permanente seismische Aktivitäten. Eine Reise von Arizona bis Kalifornien spürte diesem Muster nach. Gezeigt werden Kontraste, Strukturen und Blütenpracht der typischen Vegetationseinheiten, von den baumähnlichen Saguaro-Kakteen in der Sonora-Wüste an der Grenze zu Mexiko, durch die Colorado- und Mojave-Wüste, nordwärts durch das Owens Valley, bis zu den Küsten-Redwoods in Nordkalifornien.
Montag, 2. Februar 2015
Banksien und Känguruhpfoten – Flora und Vegetation von Westaustralien
Adrian Möhl, Info Flora, Bern
Westaustalien ist eines der fünf mediterranen Gebiete der Erde und weist eine äusserst reiche Flora und abwechslungsreiche Vegetation auf. Besonders die Familie der Proteaceen ist hier besonders vielfältig vertreten. Ein botanischer Rundgang zwischen Perth und Esperance ist eine Ergänzung zu den letztjährigen Vorträgen zur Flora und Vegetation Ostaustraliens.
Montag, 26. Januar 2015
Blumen Mittelamerikas
Jacqueline van Leeuwen & Dr. Pim van der Knaap, Institut für Pflanzenwissenschaften, Uni Bern
Die Tropen sind ein dankbares Reiseziel für Hobby-Botaniker, die sich für einheimische und invasive Pflanzen in der Natur sowie in Gärten interessieren. Wir werden eine bute Auswahl von Blütenpflanzen und Farnen sowie dem einen oder anderen Moos, Vogel oder weiteren Tieren von verschiedenen Reisen von Costa Rica, Florida und den Karibischen Inseln zeigen.
Montag, 16. Februar 2015
Wo wächst was im Waadtland?
Dr. Christophe Bornand, Info Flora, Bern
Seit 10 Jahren sammeln die waadtländischen FloristikerInnen ihre Funde in einer gemeinsamen Datenbank, die zurzeit 62’000 Fundmeldungen enthält. Da die Verbreitung der meisten Arten aber dennoch ungenügend bekannt ist, lancierte die botanische Gesellschaft Waadt im Jahr 2013 ein Projekt namens “Atlas de la flore vaudoise”. Der Vortrag wird einen Überblick über die floristischen Schätze des Kantons Waadt geben und die Herausforderungen eines Inventars von 2’000 Arten auf 3’212 km² aufzeigen. Sicherlich eine Inspirationsquelle für ein zukünftiges Inventar im Kanton Bern?
Montag, 23. Februar 2015
Botanisieren bei den Griechischen Göttern – Die Pflanzenwelt Kretas
Dr. Stefan Eggenberg, Info Flora, Bern & Beat Fischer, BOGA, Bern
Kreta war bereits bei den Griechischen Göttern ein beliebter Fleck. Sei es der Geburtsort von Zeus, das Labyrinth des Minotauros oder der berühmte Flug von Daidalos und Ikaros, auf dieser grössten griechischen Insel fühlten sich die Götter wohl. Auch der Pflanzenwelt behagt das mediterrane Klima und die bis knapp 2500 m hohen Gebirgsketten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine enorme Artenvielfalt mit rund 1735 einheimischen Arten, wovon 10 % als endemisch gelten. Aufgrund zweier Reisen im März und Mai 2014 vermitteln wir einen Eindruck in diese göttliche Flora und zeigen die bezaubernde Felsen-Tulpe (Tulipa saxatilis), die mitten im Orchideen-Hotspot des Omalos-Plateaus gedeiht, den Griechischen Lotwurz (Onosma graecum) am Berg Jouchtas, der auch schlafender Zeus genannt wird, den Kretischen Ebenholzstrauch (Ebenus cretica), ein Endemit mit rosaroten Blüten oder die Kretische Dattelpalme (Phoenix theophrasti), die nur an wenigen Standorten auf Kreta und an der Südwestküste der Türkei vorkommt.
Montag, 26. Oktober 2015
The alpine flora and vegetation of Iranian mountains
Jalil Noroozi, Department of Botany, Natural History Museum Vienna
Der Vortrag wird auf Englisch gehalten, zeigt aber zahlreiche Pflanzenbilder aus der von J. Noroozi veröffentlichten Feldflora “Flora of the Iranian mountains” und dürfte so auch für nicht englischsprachige Zuhörer unterhaltsam sein.
Iran is a typical mountainous country in South-West Asia. The alpine habitats of Iran are scattered among the major mountain systems and mainly occur above 3000 m a.s.l. The alpine flora has an Irano-Turanian origin and overlaps with the one of Anatolia, the Hindu Kush and the Caucasus with 23%, 20% and 19% of species in common, respectively. In these habitats around 700 alpine vascular plant species are known and more than 50% of them are endemic or subendemic to Iran. Various vegetation types developed in the high altitudes of Iran due to the diverse topography and climate. The subalpine zone of the Iranian mountains is dominated by umbelliferous vegetation types, the vast areas of the alpine zone by thorn-cushion grasslands, and the snow-bed vegetation is confined to depressions and runnels. The high alpine and subnival scree grounds are covered by open vegetation types with low species richness. In general, the species composition and vegetation mosaic of these habitats are mainly affected by the duration of snow cover.
Iran ist ein typisches Gebirgsland im Südwesten von Asien. Die alpinen Lebensräume Irans sind über die wichtigsten Gebirgsmassive zerstreut und finden sich meist ab 3000 m ü. M. Die alpine Flora ist irano-turanischen Ursprungs, vermischt sich aber mit Elementen aus Anatolien, dem Hindu Kusch und dem Kaukasus, mit jeweils 23%, 20% bzw. 19% gemeinsamen Arten. Aus diesen Lebensräumen sind ca. 700 alpine Gefässpflanzen bekannt und mehr als 50% davon sind endemisch oder subendemisch für den Iran. Durch mannigfaltiges Relief und Klima haben sich verschiedenste Vegetationstypen entwickelt. Die subalpine Zone der Iranischen Gebirge wird durch Doldenblütler-Vegetationstypen geprägt, während die weiträumigen alpinen Gebiete aus Dornpolster-Rasen aufgebaut sind neben denen sich Schneetälchen in Mulden und Rinnen etablieren. Die hochalpinen und nivalen Schuttfluren zeigen eine sehr lückige, artenarme Vegetation. Hier sind die Artenzusammensetzung und das Vegetationsmosaik stark abhängig von der Dauer der Schneebedeckung.
Montag, 2. November 2015
Pflanzenvielfalt und botanische Delikatessen Nordwestchinas
Jürg Stöcklin, Botanisches Institut, Universität Basel
Nordwestchina, insbesondere die im Norden an Tibet angrenzende Gebirgslandschaft der „Drei Parallel fliessenden Ströme“ (Saluen, Mekong , Yangtse) ist berühmt für seine mystischen Landschaften (Shangri-La) und seine enorme Biodiversität. Im 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts sammelten „Pflanzenjäger“ aus Europa und Amerika u.a. hier einen massgeblichen Teil unserer Zierpflanzen. In diesem Gebiet kommen über 6000 Arten vor (auf 0,2% der Landfläche Chinas). Gattungen wie Rhododendron, Primula, Pedicularis oder Meconopsis haben hier ihr Diversitätszentrum. Der Vortrag ist ein Reisebericht über blühende Rhododendron-Wälder, die erstaunliche Sikkim-Rhabarber mit ihrem stolzen Blütenstand und viele andere alpine Pflanzen vom „Dach der Welt“.
Montag, 16. November 2015
Madagaskar − Vegetationszonen, Endemismus und Lösungsansätze zur Erhaltung der Biodiversität
Carsten Hobohm, Abteilung Ökologie, Universität Flensburg
Während mehrwöchiger Forschungsreisen auf dieser in vielerlei Hinsicht einmaligen Insel im Indischen Ozean hat der Referent versucht, die verschiedenen Vegetationseinheiten mit ihren Endemiten, die anthropogenen Einflüsse in der Natur und mögliche Lösungen von Naturschutzproblemen zu studieren und zu verstehen. Nach einer kurzen Einführung in die Grundlagen des Endemismus und zur Verbreitung von Endemiten werden ausgewählte Vegetationszonen, insbesondere der Trockenbusch und Regenwald im Süden Madagaskars, einige Tier- und Pflanzenarten (u.a. Lemuren, Reptilien, Orchideen, Palmen), sowie aktuelle Lösungsansätze zur Erhaltung der Biodiversität auf der Insel vorgestellt. Dabei stellt sich auch die Frage, ob die globale Erwärmung und invasive Arten tatsächlich eine massive Bedrohung für die Diversität darstellen.
Montag, 14. Dezember 2015
Bergwälder in Ecuador – ein Schutzprojekt des Botanischen Gartens Basel
Heinz Schneider, Botanisches Institut der Universität Basel
Die ecuadorianischen Berg- und Nebelwälder an der Grenze zu Kolumbien gehören zu den arten- und endemitenreichsten Lebensräumen der Welt. In einer Höhenlage von 1’500 bis 2’000 m ü. M. erreicht die Vielfalt der Epiphyten ihr Maximum. Jeder Baum ist dort ein kleiner Botanischer Garten. In diesen relativ dünn besiedelten Gebieten sind immer noch grosse Primärwälder vorhanden, die nun aber zunehmend gerodet werden, um zwei Jahre lang Fruchtkulturen zu betreiben. Danach ist der Boden zerstört. Der Wald gehört den lokalen Bauern und kann relativ günstig erworben werden. Der Botanische Garten Basel engagiert sich seit 2013 für den Auf- und Ausbau eines dringend benötigten Waldreservates (Dracula Forest Reserve).
2014
Montag, 20. Januar 2014
Südafrika in 3D – Ein Potpourri interessanter Pflanzen und faszinierender Landschaften
Dr. André Michel, Bern
Neben Stereo-Aufnahmen von einzigartigen Pflanzen der artenreichen Flora Südafrikas werden beeindruckende Landschaften von der Wüste bis zum Strand zu sehen sein. Ein reichhaltiges Allerlei einer Botanikreise aus dem Jahre 1997.
Montag, 27. Januar 2014
Flussrenaturierungen – die Aue kehrt zurück
Franziska Witschi, naturaqua, Bern
Mitte des 19 Jahrhunderts wurden viele Schweizer Flüsse kanalisiert. Land wurde urbar gemacht, die Malaria eingedämmt, Siedlungen und Landwirtschaftsland liessen sich vor Hochwasser schützen. Gleichzeitig erfolgte aber auch eine schleichende Veränderung der flussnahen Lebensräume und der Vegetation: Uferdämme schnitten die vormals ausgedehnten Flussauen vom dynamischen System mit Hoch- und Niedrigwasser ab und im Umfeld von kanalisierten Flüssen sank der Grundwasserpegel langfristig ab. Was als ingenieurtechnische Meisterleistung für die damalige Zeit gilt, wird in der Gegenwart aufgrund gewonnener Einsichten differenzierter beurteilt. Der moderne Hochwasserschutz setzt nun vielerorts auf Renaturierungen. Was bedeutet dies vor dem Hintergrund der intensiven Nutzung flussnaher Gebiete? Anhand des Projekts «aarewasser – Nachhaltiger Hochwasserschutz Aare Thun-Bern» werden zentrale Fragestellungen und Interessenkonflikte bei modernen Renaturierungsvorhaben aufgezeigt. Die bereits umgesetzte Renaturierung in der Hunzigenau bei Rubigen lässt Rückschlüsse zur Vegetationsentwicklung und zum Einfluss des Naherholungsdrucks zu.
Montag, 17. Februar 2014
Die Vegetation Ost-Australiens
Prof. Dr. Peter Kammer, PH, Bern
Als die europäischen Siedler im 19. Jahrhundert nach Australien kamen, waren sie nicht gerade erfreut ob der Vegetation, die sie da antrafen: alles etwas grau und depressiv hängend. Dabei ist die Vielfalt an Vegetationstypen gerade entlang der australischen Ostküste ausserordentlich gross. Der Vortrag folgt einer Reise von den tropischen Regenwäldern des Nordens bis zu den kargen, aber artenreichen Heiden im Süden und stellt die typischen Vegetationstypen dieser Region, ihre charakteristischen Pflanzenarten sowie ökologischen Besonderheiten dar.
Montag, 24. Februar 2014
Das Biovision Farmer Communication Programme in Ostafrika
Monique Hunziker, Biovision Foundation for ecological development
Fast eine Milliarde Menschen leiden weltweit an Unterernährung und 70% der Armen in Entwicklungsländern leben auf dem Land. Der Grund hierfür liegt weitgehend in der nicht nachhaltigen Landwirtschaft, deren Auswirkungen auf die Umwelt und inkohärente politischen Rahmenbedingungen als Konsequenz der schwachen Verknüpfung zwischen Politik und Wissenschaft. Die Stiftung Biovision setzt sich für die Verbreitung und Anwendung ökologischer Methoden ein, die zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen in Afrika führen und zugleich die Umwelt schonen. Das Biovision Farmer Communication Program (FCP) vermittelt praxisorientierte Informationen zu ökologischer Landwirtschaft und Tierhaltung, Prävention von Krankheiten, umweltfreundlichen Technologien und Einkommensförderung. Es ergänzt und erweitert dadurch die Biovisions-Basisprojekte in Ostafrika. Mit einer multimedialen Informationsvermittlung durch Zeitung, Radio und Internet, Handy und persönliche Beratung kann das FCP einen kontinuierlichen und adressatengerechten Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Wissenschaft und Kleinbäuerinnen und Kleinbauern gewährleisten.
Montag, 3. März 2014
Nixkräuter und Hornblätter – zerbrechliche Unterwasserflora
Adrian Möhl / Lionel Sager / Dr. Stefan Eggenberg, Info Flora, Bern & Genf
Info Flora ist das Datenzentrum zur Schweizer Flora und sammelt somit auch alle Daten zur Verbreitung von Wasserpflanzen und seit neustem auch die Verbreitungsdaten der Armleuchteralgen (Characeen). Wasserpflanzen führen oft ein verborgenes Leben, sie wachsen an unzugänglichen Orten und ihre Bestimmung gilt als schwierig. Dies sind wohl alles Gründe, warum die Datenlage zu den Wasserpflanzen viel spärlicher ist, als die der übrigen Gefässpflanzen. Dabei wäre es gerade hier sehr wichtig, eine gute Datengrundlage zu haben, gehören die Wasserpflanzen doch zu den am meisten gefährdeten Pflanzen der einheimischen Flora.
Montag, 10. März 2014
Jahreshauptversammlung mit Bücherbörse
Montag, 6. Oktober 2014
Was ist Citizen Science? Grundlagen, Rahmenbedingungen, Folgen
Prof. Dr. Peter Finke, Bielefeld, Deutschland
Im Kern ist Citizen Science so alt wie die Aufklärung, und dies auf vielen Inhaltsfeldern bürgerschaftlichen Engagements. Aber die neue Bezeichnung eröffnet eine neue Chance: auf die große Bedeutung der institutionsfernen, selbstorganisierten, ehrenamtlichen Forschung hinzuweisen. Die Bürgerwissenschaft ist nämlich eine weithin kaum beachtete und unterschätzte, aber sehr ernsthafte und geradezu anarchisch anmutende Form lebensnaher, aktueller Forschung. Es geht ihr nicht um Spitzenleistungen und noch weitergehende Spezialisierung, sondern um die wichtige Dokumentation der Zusammenhänge des alltäglichen Wandels in unserem anschaulichen Lebensumfeld. Hier ist die Freiheit der Wissenschaft noch Realität, während sie in der universitären Berufswissenschaft angesichts der vielen Außeninteressen, die diese bedrängen. oft nur noch bruchstückhaft vorhanden ist. Deshalb ist die Kritik hieran eine wichtige Folge der neuen Wertschätzung für Citizen Science. Dies alles ist sehr modern. Es könnte im besten Falle dazu beitragen, dass auch die akademische Wissenschaft sich stärker als bisher veranlasst sieht, den bürgerfernen Elfenbeinturm zu verlassen und sich wieder mehr in der Mitte der Zivilgesellschaft anzusiedeln.
Montag, 27. Oktober 2014
PhaenoNet – Citizen Science am Beispiel jahreszeitlicher Beobachtungen
Eric Wyss, GLOBE Schweiz
„Citizen Science“ ist in aller Munde. Bürgerinnen und Bürger sind Teil wissenschaftlicher Netzwerke und tragen mit eigenen Beobachtungen und Messungen zu wissenschaftlichen Untersuchungen und Erkenntnissen bei. Die jahreszeitliche Beobachtung verschiedener Pflanzenarten ist dafür ein gutes Beispiel. Auf Initiative des internationalen Bildungsprogramms GLOBE Schweiz ist die Webplattform PhaenoNet entstanden, die Schulen und interessierten Laien die Möglichkeit bietet, jahreszeitliche Beobachtungen von Pflanzen zu melden. MeteoSchweiz nutzt diese Daten für eine breitere Abstützung ihrer eigenen phänologischen Beobachtungen und die ETH wird mit längeren Datenreihen den Einfluss des Klimawandels auf die Pflanzenphänologie untersuchen. Dabei treten Bürgerin, Lehrperson, Schüler und Wissenschaftler in einen Dialog.
Montag, 10. November 2014
Evolution MegaLab und Tagfaltermonitoring Deutschland: Möglichkeiten und Grenzen von Citizen Science
Dr. Christian Anton, Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, Halle (Saale), Deutschland
Citizen Science ist kein neues Phänomen. Schon seit langer Zeit engagieren sich Bürgerinnnen und Bürger als Hobbyforscher in Vereinen oder Museen. In den vergangenen Jahren haben in Deutschland jedoch Forschungsorganisationen und auch die Politik das Potenzial entdeckt, welches in der Beteiligung von Laien an konkreten Forschungsfragen liegt. Der Vortrag zeigt an zwei sehr unterschiedlichen Projekten die methodischen Herausforderungen von Citizen Science auf.
Montag, 17. November 2014
Floreninventar der Stadt Bern (FLIB) – Herbstveranstaltung
FLIB Team, Bern
Montag, 15. Dezember 2014
Halbzeit der Kartierung: Zwischenbilanz der Flora des Kantons Zürich (FloZ)
Dr. Corina del Fabbro, Zürcherische Botanische Gesellschaft, Projektleiterin FloZ
Seit 2012 läuft das von der Zürcherischen Botanischen Gesellschaft initiierte Projekt «Flora des Kantons Zürich». Ein grosses Ziel ist die systematische Erhebung der Pflanzenvielfalt auf Kantonsebene im Zeitraum von 2012 bis 2016. Nach drei Kartierjahren kann Bilanz gezogen und über Neufunde und die grössten Highlights berichtet werden. Ein zweites Projektziel ist die Entwicklung und Veränderung der Flora in den letzten 200 Jahren darzustellen. Ab dem nächsten Jahr werden deshalb ehrenamtliche Laien und Experten historische Daten systematisch aufarbeiten.
2013
7. Januar 2013
Neophyten aus der Nähe
Willy Müller, BBG Bern
Floren, ob mit Zeichnungen oder Fotos, zeigen in der Regel nur wenige Ansichten einer Art. Bei Herbar-Belegen ist das natürliche Erscheinungsbild oft nur zu erraten. Seit Jahren arbeite ich daran, von den Schweizer Pflanzen Bildportraits zu erstellen, welche die Arten möglichst umfassend zeigen. Gegenüberstellungen von schwierig zu unterscheidenden Arten erleichtern die Bestimmung. Im Vortrag präsentiere ich als erste Beispiele meines Projekts u.a. die Neophyten-Familien Malvaceae und Balsaminaceae.
14.Januar 2013
174 Jahre nach Kölliker – Zeit für eine neue Flora des Kantons Zürich
Dr. Thomas Wohlgemuth, Zürcherische Botanische Gesellschaft ZBG
Seit dem März 2012 kartieren die Mitglieder der alteingesessenen Zürcherischen Botanische Gesellschaft die Flora des Kantons Zürich (FloZ). Hierzu werden Vorkommen und Abundanz von allen Farn- und Blütenpflanzen in systematischer Weise auf einem Neuntel der Kantonsfläche erfasst, genauer 208 Kartierquadrate von je 1 km2 Grösse. Bereits stehen rund 70 ehrenamtliche Botaniker und Botanikerinnen im Einsatz. Ergänzt wird das Inventar durch eine Wiederkartierung der Welten & Sutter-Kartierflächen, wodurch ein Vergleich der Flora mit dem Zustand vor rund 40 Jahren möglich sein wird. Ein wichtiger Bestandteil der Kartierung sind die jährlich stattfindenden FloZ-Camps, wo sich Profis und Laien im Kartieren üben. Empirisch festgelegt wurden eine optimale Kartierzeit von 40 bis 60 h und eine optimale Wegstrecke von 15 bis 30 km pro Quadrat. Erste Erfahrungen und Resultate werden präsentiert.
21. Januar 2013
Von Zagora fast nach Timbuktu. Ein floristisch-faunistischer Reisebericht aus dem südlichen Marokko
Dr. Urs Känzig, Abteilung Naturförderung ANF, Bern
Der Name Sahara löst viele Assoziationen aus: Sand, Durst, Tuareg, Dromedar… Die grösste Trockenwüste der Erde reicht bis ins südliche Marokko. Hier findet der Besucher auf vergleichsweise kleinem Raum Stein-, Kies- und Sandwüste, Wadis, Schotts und Oasen mit ihrer typischen Flora und Fauna. Der Vortrag öffnet ein kleines Fenster auf diese faszinierende Region, wie sie zu Fuss erwandert oder auf dem Rücken eines Dromedars erritten werden kann.
11. Februar 2013
DNA-Jagd von den Alpes Maritimes bis in die Julischen Alpen – ein Blumenstrauss aus dem Projekt PhyloAlp
Adrian Möhl, Botanikreisen, Bern
Das Projekt PhyloAlp hat zum Ziel, eine Phylogenie aller Alpenpflanzen zu erschaffen. Dafür sind DNA– Proben aller Pflanzen des Alpenbogens notwendig. Auf der Jagd nach all diesen Pflanzenproben sind nicht nur ein bunter Blumenstrauss von Alpenpflanzen zusammen gekommen, sondern auch viele spannende Geschichten und Begegnungen. Der Vortrag gibt sowohl einen kleinen Einblick in ein interessantes Projekt – es wird hier auch von einigen ganz besonderen Funden und Begegnungen erzählt.
18. Februar 2013
20 Jahre später – Überarbeitung der Inventare im Kanton Bern
Brigitte Holzer und Res Hofmann, Abteilung Naturförderung ANF, Bern
Auch Inventare altern. Seit 2011 und bis ins Jahr 2014 sollen alle Feuchtgebiete und Trockenstandorte des kantonalen Inventars erneut kartiert und entsprechend aktualisiert werden. Wir bieten Einblick in das Projekt ‚Objektkontrolle FG/TS‘, von A wie Anmarsch zur Objektkontrolle bis Z wie Zahlung der Bewirtschaftungsbeiträge. Der Stand der Kartierung, erste quantitative und qualitative Resultate und Vergleiche sowie Gedanken zu einer möglichst wirksamen Umsetzung werden präsentiert.
25. Februar 2013
Floristische, landschaftliche und kulturelle Impressionen von einer Exkursion mit Botanikern einer Russischen Universität ins Altai-Gebiet
André Michelm BBG, Bern
Dia-Vortrag in Stereo-Projektion.
Montag, 14. Oktober 2013
Die neue Systematik – Welche Änderungen ergeben sich bei der Benennung unserer heimischen Flora?
Dr. Reto Nyffeler, Institut für Systematische Botanik, Uni Zürich
Das theoretische Fundament und die Methoden der biologischen Systematik haben sich in den vergangenen drei Jahrzehnten grundsätzlich gewandelt. Mittlerweile wirken sich diese Veränderungen auch auf die Klassifikationssysteme unserer heimischen Flora aus: altbekannte (und bewährte?) Familien gehen verloren oder werden grundsätzlich umgebaut, neue Namen tauchen auf. Diese Veränderungen beschränken sich aber nicht auf die Rangstufe der Familie, sondern finden sich zunehmend auch bei den Gattungen, wie etwa das Beispiel der heimischen Orchideen eindrücklich illustriert. Dieser Vortrag erklärt kurz die theoretischen und methodischen Grundlagen und erläutert die verschiedenen Aspekte der Veränderungen – und den Möglichkeiten diese zu ignorieren – an unterschiedlichen Beispielen der heimischen Flora.
Montag, 21. Oktober 2013
Biologische Schädlingsbekämpfung von Schwimmpflanzen in Afrika
Dr. Peter Neuenschwander, International Institute of Tropical Agriculture (IITA), Bénin
Die südamerikanische Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes) wurde um 1888 als Zierpflanze nach Nordamerika eingeführt und wenig später über die gesamten Tropen verschleppt. Sie hat ein rasantes Wachstum und bildet dichte, lichtundurchlässige Matten, wodurch andere Wasserpflanzen verdrängt werden. Sie wurde in über 50 Ländern zu einem der schlimmsten Unkräuter. Sie verhindert Schifffahrt, Handel und Fischerei, fördert Infektionskrankheiten und hat zur Aufgabe von ganzen Siedlungen geführt. Wasserfarn (Salvinia molesta) und Wassersalat (Pistia stratiotes) sind zwei weitere äusserst schädliche Schwimmpflanzen mit ähnlicher Herkunft und Verbreitung. Durch das Ausbreiten von hochspezifischen Rüsselkäfern aus der alten Heimat dieser Pflanzen konnten sie jedoch ohne die geringsten negativen Auswirkungen auf einheimische Organismen, teilweise vollständig verdrängt und so das ursprüngliche Ökosystem weitgehend wieder hergestellt werden. Das IITA war dabei verantwortlich für die meisten Arbeiten in Afrika südlich der Sahara und nördlich von Südafrika.
Montag, 11. November 2013
Die Flora Ost-Australiens
Prof. Dr. Peter Kammer, PH, Bern
Australien ist aus botanischer Sicht wohl der eigentümlichste aller Erdteile. Seit der Aufspaltung Gondwanas erfolgte hier eine explosionsartige Entwicklung von Sippen. Die geographische Isolation Australiens führte dazu, dass heute 80 bis 90% aller Arten endemisch sind. Im Vortrag werden sowohl die endemischen wie auch die Vegetation prägenden Familien der australischen Flora mit ihren Vertretern und Besonderheiten vorgestellt.
Montag, 18. November 2013
Förderung seltener Pflanzenarten in bernischen Kiesgruben
Dunja Al Jabaji, Atelier für Naturschutz und Umweltfragen (UNA), Bern
Kiesgruben sind wichtige Rückzugs- und Ausweichgebiete für Arten ruderaler und wechselfeuchter Standorte. Seit 2010 werden im Kanton Bern jährlich Abbaugebiete untersucht, um bedrohte Arten aufzuspüren und zu fördern. Der Vortrag handelt von Lebensräumen und seltenen Arten, die in diesen Abbaugebieten vorkommen. Die Rede ist jedoch auch von Rahmenbedingungen und Partnern, die diese Artensuche auf privaten Firmengeländen ermöglichen. Und nicht zuletzt davon, wie Arten auf Geländen gefördert werden können, die heute so und morgen ganz anders aussehen.
Montag, 2. Dezember 2013
Ex-situ-Vermehrung und Ansiedlung von Aktionsplanarten Flora der Fachstelle Naturschutz des Kantons Zürich
Dr. Karin Marti, topos Marti & Müller, Zürich
Rund 50 seltene und gefährdete Pflanzenarten werden von der Fachstelle Naturschutz im Kanton Zürich gefördert, indem für diese Arten Aktionspläne verfasst und umgesetzt werden. Neben Pflegemassnahmen bei den autochthonen Populationen werden auch Ex-situ- Vermehrungen und Wieder-Ansiedlungen ausgeführt. Der Vortrag zeigt das Vorgehen auf, die geförderten Pflanzenarten, mit Fokus auf den Feuchtgebietsarten, und die Erfahrungen bei der Umsetzung der Aktionspläne.
Montag, 9. Dezember 2013
Von Regendächern und Giesskannen: Streifzug durch Experimente zur Erforschung der Auswirkungen von Trockenheit auf Pflanzengemeinschaften
Dr. Michaela Zeiter, Institut für Pflanzenwissenschaften, Uni Bern
Klimaszenarien und Klimamodelle rechnen in Zukunft mit einer verstärkten Häufigkeit von extremen Wetterereignissen. Für die terrestrische Vegetation in tiefen und mittleren Lagen der Schweiz ist dabei vor allem die Zunahme der Häufigkeit von Trockenheit von Bedeutung. Im Gegensatz zu den guten Kenntnissen über den Einfluss von Wassermangel bei Zier- und Nutzpflanzen sind die Auswirkungen von Wassermangel auf die Stabilität natürlicher Ökosystemprozesse nach wie vor unbekannt, nicht zuletzt deshalb, weil die Erforschung der Auswirkungen des Wassermangels auf natürliche Vegetationsbestände verschiedenen methodischen Tücken ausgesetzt ist. Wir stellen eine Reihe von abgeschlossenen und laufenden Trockenheits-Experimenten in Heuwiesen und Buchenwäldern der Hochschule HAFL Zollikofen und des Instituts für Pflanzenwissenschaften der Universität Bern vor. In diesen Studien gehen wir unter anderem folgenden Fragen nach: Sind intensiv oder extensiv genutzte Wiesen empfindlicher gegenüber Trockenheit? Erhöht Trockenheit das Risiko von Invasionen von nicht-einheimischen Pflanzen? Wie wichtig ist lokale Anpassung für den Etablierungserfolg von Keimlingen? Ein spezielles Augenmerk gilt zudem den Vor-und Nachteilen verschiedener methodischer Ansätze.
2012
9. Januar 2012
Breathless in the Andes – why are there so many species of lupins (Lupinus; Fabaceae) in the mountains of South America?
Dr. Colin Hughes, Institute of Systematic Botany, University of Zürich
My talk will describe and illustrate the startling diversity of species, life forms and ecologies in the legume genus Lupinus, and especially the 85 species found in the Andes. I will describe current field and herbarium research to document species diversity in the Andes and assemble a new taxonomic account of the genus for that region. In addition, recent research to investigate the evolutionary dynamics of species diversification for the genus as a whole will be presented, and I will attempt to address the question – Why are there so many species of Lupinus in the Andes?
16. Januar 2012
Gebirgsflora der Pyrenäen und der Alpen
Dr. Daniel M. Moser, Gymnasium Neufeld, Bern
Es werden die arealgeographischen und evolutionsbiologischen Aspekte der Gebirgsflora beleuchtet. Die verwandtschaftlichen Ähnlichkeiten der Arten sind bei den Endemiten und den Vertretern der allgemeinen Flora hoch. Bemerkenswert sind aber auch die ähnlichen pflanzensoziologischen Beziehungen.
23. Januar 2012
Schluss mit der Biopiraterie! – Die Erhaltung der biologischen Vielfalt braucht Gerechtigkeit
François Meienberg, Erklärung von Bern, Zürich
Zur Sicherung seines Überlebens und zur Erhöhung des Wohlstandes nutzt der Mensch seit Jahrtausenden Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen. Diese Ressourcen kommen oft aus Ländern des Südens. Doch sind es Konzerne aus Industriestaaten, die damit gute Geschäfte machen. Die Menschen aber, welche die Vielfalt erschaffen und/oder erhalten haben, gehen meist leer aus. Mit der Biodiversitätskonvention von 1992 wollte man diese Situation ändern. Die Konvention sollte nicht nur den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt sicherstellen, sondern auch den aus Pflanzen und Tieren gewonnenen Nutzen mit den Ländern des Südens gerecht teilen. Leider ist die Umsetzung bis heute mangelhaft. Biopiraterie – die Nutzung der Natur im Widerspruch zur Konvention – ist bis heute eher die Regel als die Ausnahme. Das neu verhandelte Nagoya-Protokoll sollte diesen Missstand nun beseitigen.
6. Februar 2012
Heilpflanzenbouquet
Dr. med. Rudolf Leuenberger, Bern
Braucht es in der modernen chemisch-pharmazeutisch geprägten Medizin überhaupt noch Heilpflanzen? Was bewegt einen zeitgenössisch-universitär ausgebildeten Arzt additiv, komplementär oder auch ausschliesslich auf die Heilpflanzenkunde zurückzugreifen? Auf diese Fragen soll mit der Vorstellung einiger weniger Arzneipflanzen eingetreten werden: Ihre Gewinnung, mögliche Kultivierung und deren Anwendung anhand eigener langjähriger Erfahrungen.
13. Februar 2012
Suivi botanique et entomologique de la remise en état d’anciens pâturages maigres secs
Alain Perrenoud, LE FOYARD, Bureau d’études en environnement, Bienne et La Chaux-de-Fonds
Le secteur dit « Les Lavettes », au Nord-Ouest du village d’Orvin, a été pâturé par un troupeau de moutons jusque dans les années 1950. Suite à la recolonisation forestière, diverses espèces floristiques et faunistiques de milieux ouverts thermophiles ont diminué, voire disparu. Une remise en état a été effectuée dès l’année 1996, en débroussaillant la jeune forêt et un y faisant pâturer un troupeau de chèvres bottées. 19 placettes permanentes d’observation de la végétation ont été mises en place progressivement depuis 2000, tout comme des relevés de papillons et d’orthoptères. Des relevés ont été effectués en 2011, qui permettront une comparaison avec les données des années 2000 et les anciennes données des années 1970-1990.
20. Februar 2012
Farbiges aus den bleichen Bergen – die Dolomitenflora
Adrian Möhl, Botanikreisen, Bern
Die Dolomiten gelten als El Dorado für Wanderer, KlettererInnen und botanisch Interessierte. Seit langer Zeit beliebtes Reiseziel, sind die Dolomiten seit 2009 in der Liste der UNESCO Weltnaturerben aufgenommen. Auf einem Rundgang durch den östlichen Teil der “bleichen Berge” versuchen wir zu ergründen, warum dieser Teil der Südalpen so ausserordentlich artenreich ist und lernen dabei die wichtigsten und schönsten Arten und Vegetationstypen der Dolomiten kennen.
27. Februar 2012
Sizilien und seine Schätze – Ein Nicht-nur-Blumen-Strauss in Stereo-Projektion
Dr. André Michel, Bern
15.Oktober 2012
Bereicherung oder Gefährdung der Natur durch Neophyten?
Prof. Dr. Ingo Kowarik, TU Berlin
Biologische Invasionen gelten als ein weltweit bedeutender Gefährdungsfaktor für die biologische Vielfalt. Neue Pflanzen können Ökosysteme erheblich verändern und andere Arten zurückdrängen. Doch ist in einer Welt des Wandels Veränderung an sich immer schlecht? Biologische Invasionen berühren unser Selbstverständnis vom Bild der Natur, die uns am Herzen liegt. Es kommt beim Invasionsthema daher darauf an, die damit verbundenen ökologischen Effekte genau zu kennen. Zum Schaden oder auch zum Nutzen werden sie erst, wenn wir sie mit Werten verbinden.
22.Oktober 2012
Neophyten in Gebirgen
Dr. Christoph Küffer, ETH Zürich
In Gebirgen findet man oft kaum Neophyten. Wieso dies so ist, untersucht das Forschungs-Netzwerk MIREN (www.miren.ethz.ch) seit 2005 in 11 Untersuchungsgebieten auf allen Kontinenten und verschiedenen Inseln. Ich werde in meinem Vortrag unser momentanes Verständnis von Invasionen in Bergen erläutern und Konsequenzen für die erfolgreiche Prävention von zukünftigen Invasionsrisiken in den Schweizer Bergen diskutieren. Der Vortrag erzählt von Schweizer Pflanzen, welche den Weg in entfernte Gebirge im Himalaya, den Anden oder sogar bis in die Antarktis fanden, von den Eiszeiten als Training für Pflanzen, um in Gebirgen invasiv zu werden, und vom Klimawandel, welcher erfordert, dass wir unsere Definition einer invasiven Art hinterfragen und anpassen.
29.Oktober 2012
Neophyten im Kanton Bern – Probleme, Erkennung, Bekämpfung
Dr. Erwin Jörg, Abteilung Naturförderung ANF, Münsingen
Die weltweit gestiegene Mobilität und ein globalisierter Warenaustausch sind Gründe für eingeführte oder eingeschleppte Arten. Diese Pflanzen werden als Neophyten bezeichnet, wenn sie seit der Entdeckung Amerikas (1492) bei uns vorkommen. Es sind in der Schweiz rund 300 Arten, die vor allem als Nutz- und Zierpflanzen eingeführt wurden. Leider gibt es unter diesen Pflanzen einige wenige Vertreter, die sich invasiv verhalten, d.h. sie verwildern und breiten sich stark aus. Zudem verdrängen sie einheimische Pflanzen und können teilweise sogar gefährlich für unsere Gesundheit sein. Andere Arten können Bachufer destabilisieren oder Bauten schädigen. Diese Problempflanzen bezeichnet man als invasive Neophyten.
5. November 2012
Erfolgsrezepte invasiver Neophyten – Invasionsforschung am Institut für Pflanzenwissenschaften
Dr. Oliver Bossdorf, Institut für Pflanzenwissenschaften, Bern
Warum breiten sich manche exotischen Pflanzenarten rapide aus und verursachen grosse Probleme, während die meisten anderen unauffällig bleiben? Warum sind manche Habitate viel anfälliger für biologische Invasionen als andere? Diese Schlüsselfragen der Invasionsbiologie können nur durch ökologische Grundlagenforschung – vergleichende Literatur- oder Feldstudien, oder kontrollierte Experimente – beantwortet werden. Die Arbeitsgruppe Pflanzenökologie am Institut für Pflanzenwissenschaften ist eine der führenden Gruppen auf diesem Forschungsgebiet. In meinem Vortrag werde ich einen Überblick über unsere Forschung geben und von den wichtigsten und spannendsten aktuellen Forschungsergebnissen berichten.
12. November 2012
Schwarze Liste und Watch-Liste – Konzept und Einteilung der Arten anhand von Beispielen
Sibyl Rometsch, Info Flora, Bern und Genf
Weltweit werden nationale Listen mit gebietsfremden, invasiven Pflanzen und Tieren aufgestellt. In der Schweiz wurden die ersten Listen invasiver Neophyten 2001 erarbeitet. Inzwischen kamen neue Arten dazu und andere stehen vor der Türe. Auf Grund von verschiedenen, genau definierten Kriterien sollen nun die Neophyten neu eingeteilt werden. Die Listen sind ein wichtiges Instrument für Bund und Kantone, sie sollen aber in erster Linie der Prävention und Umsetzung von Bekämpfungsmassnahmen dienen.
3. Dezember 2012
Von Arten und Genen – Aspekte alpiner Pflanzenvielfalt im Vergleich
Dr. Felix Gugerli, WSL, Birmensdorf
Biodiversität wird oft mit Artenvielfalt gleich gesetzt, obwohl mit dem Begriff auch Habitatvielfalt und genetische Variation gemeint ist. Im EU-Projekt IntraBioDiv untersuchten wir den Zusammenhang zwischen Artenreichtum und genetischer Vielfalt bei Alpenpflanzen sowie die zugrunde liegenden räumlichen Muster. Eine wichtige Frage war, ob Artenvielfalt als Indikator für genetische Variation dienen kann und wie weit die bestehenden Schutzgebiete in den Alpen diese beiden Komponenten der Biodiversität abdecken.
10. Dezember 2012
Ein Blumenstrauss invasiver Arten von einsamen Inseln
Jacqueline van Leeuwen und Pim van der Knaap, Institut für Pflanzenwissenschaften, Bern
Auf Inselgruppen fern ab von Kontinenten wie den Galápagos, Hawai’i oder den Azoren sind die auffälligsten und schönsten Blüten meist die von Arten, welche nicht einheimisch sind, sondern nach der Entdeckung der Inseln eingeführt wurden. Dies macht es für die Botaniker recht einfach, zwischen Einheimischen und Eingeschleppten zu unterscheiden: Wenn Deine fragliche Art grosse, bunte Blüten zeigt und längs der Wege und Strassen vorkommt, ist sie wahrscheinlich vom Menschen eingeführt worden. Wir werden einen Blumenstrauss solcher Arten zeigen, aber zudem auch Einheimische, von denen manche ebenfalls spektakulär sind.
2011
10. Januar 2011
Prof. Urs Mühlethaler, SHL Zollikofen: Kein Tapetenwechsel für die Birke – Adaptation als Schlüsselgrösse der zukünftigen Waldbewirtschaftung?
Bäume verharren mehrere Jahrzehnte oder Jahrhunderte am gleichen Standort und sind den Witterungskapriolen schonungslos ausgesetzt. Den Verantwortungsträgern für Wald stellen sich durch den Klimawandel schwierige Fragen zur zukünftigen Waldbewirtschaftung, zum Beispiel: Was geschieht mit den vorhandenen Bäumen, wenn sich das Klima und damit die Standortsbedingungen im laufenden Jahrhundert markant verändern? Was wissen wir über genetisch veranlagte adaptive Muster einzelner Baumarten? Wie können wir dieses lückenhafte Wissen verbessern? Wie soll der zukünftige Wald aussehen, den wir in den nächsten Jahren verjüngen oder neu begründen? Können die Waldbesitzer darauf zählen, dass die Natur sich selber helfen kann oder ist es nötig, eine Adaptationsstrategie zu entwickeln? Wie viel Zeit bleibt dem Förster für die Umsetzung einer solchen Strategie? Welche Risiken und Chancen sind zu beachten und wie werden diese heutzutage gewichtet?
17. Januar 2011
Dr. Martin Stuber, Uni Bern / PD Dr. Matthias Bürgi, WSL Birmensdorf: Hüeterbueb und Heitisträhl – Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz
Die Nutzung des Waldes in der Schweiz erfuhr im Laufe des 20. Jahrhunderts tiefgreifende Umwälzungen. Die Bedeutung des nachwachsenden Rohstoffes Holz ging seit dem 2. Weltkrieg stark zurück, agrarische Waldnutzungsformen (Waldweide, Streue-sammeln, Harzen, Beeren usw.), wie sie in der ersten Jahrhunderthälfte insbesondere in alpinen Regionen noch verbreitet gewesen waren, verschwanden. Diese Waldnutzungen sind oft kaum dokumentiert, obschon sie aus kulturhistorischen und ökologischen Gründen von grossem Interesse wären. Einzig Interviews mit Zeitzeugen ermöglichen es, das traditionelle Wissen von “Hüeterbueben” und um die Verwendung des “Heitisträhls” zu bewahren. Der Vortrag gibt Einblicke in die Vielfalt der traditionellen Waldnutzungen mit einem besonderen Fokus auf die Situation im Kanton Bern.
24. Januar 2011
Prof. Dr. Willy Tinner, Institut für Pflanzenwissenschaften, Uni Bern: Der Schweizer Wald zu prähistorischen Zeiten – Bedeutung für heute und morgen
Die Wälder der Schweiz sind durch Land- und Forstwirtschaft geprägt. Natürliche Archive wie Seen oder Moore erlauben es mittels paläo-ökologischer Ansätze der Frage nachzugehen, wie die Wälder entstanden sind und wie sie in der Vergangenheit genutzt wurden. Die Untersuchung der Walddynamik über die Jahrhunderte und Jahrtausende führt zum besseren Verständnis heutiger und künftiger Entwicklungen, da wichtige Erkenntnisse zur natürlichen Zusammensetzung, zur menschlichen Umgestaltung sowie zur Reaktionsweise der Wälder nach Störungen (beispielsweise Feuer) gewonnen werden. Zudem können die Reaktionsweisen der Wälder auf drastische und abrupte Klimaänderungen der Vergangenheit untersucht werden. Damit entsteht eine ganzheitliche und langfristige Sichtweise, die die kurzfristigen konventionellen Zeitreihen aus Experimenten und Beobachtungen ergänzt und Realitätstests für die Modellierung künftiger Waldveränderungen als Reaktion auf Klimawandel, Störungen und Nutzung erlaubt.
31. Januar 2011
Dr. Niklaus Zimmermann, WSL Birmensdorf: Mögliche Zukunft der Europäischen Gebirgswälder – eine Abschätzung der Effekte des Globalen Wandels auf Wälder und Landschaften
Die Verteilung von Wäldern und Offenland ändert sich momentan, und weitere grössere Veränderungen stehen an in Europa im soeben begonnenen Jahrhundert. Dabei spielen Klima- und Landnutzungswandel eine entscheidende Rolle. Im Allgemeinen erwarten wir, dass sich Baum- und Pflanzenarten in höhere oder nördlichere Lagen verschieben, und dass in vielen Regionen sich wärme- und trockentolerante Arten ausbreiten werden. Der Vortrag gibt Einblick in die Fragen, inwieweit solche Veränderungen bereits beobachtet werden können, wie gut vor allem Bäume mit den raschen Veränderungen umgehen können, und wie die Wälder der Zukunft aussehen könnten. Dabei werden Beispiele aus der Schweiz und aus Europa gezeigt, wobei verschiedene wissenschaftliche Methoden zum Beantworten dieser Fragen angewandt werden.
7. Februar 2011
Dr. Pascale Weber, WSL Birmensdorf: Klimawandel im Wald: Erkenntnisse aus der Jahrringforschung im Wallis und CH Mittelland
Infolge des anthropogenen Klimawandels wird erwartet, dass es zu einer Verschiebung in der Baumarten-Zusammensetzung unserer Wälder kommt. Im inneralpinen Trockental Wallis manifestieren sich bereits heute Absterbeprozesse und ein Wandel der Waldföhrenwälder in Richtung Flaumeiche. Veränderungen im Wachstum von Baumarten und dafür verantwortliche klimatische Einflüsse können anhand jahrringökologischer Methoden untersucht werden. In diesem Vortrag werden Trockenstandorte mit besser wasserversorgten Standorten verglichen und die Bedeutung der dendroökologischen Resultate wird im Kontext der Klimaveränderung diskutiert.
14. Februar 2011
Dr. Werner Suter, WSL Birmensdorf: Wald und Wild – Biologie eines Nutzungskonflikts
Hinter dem Konflikt um „Wildverbiss“ steht die Befürchtung, dass der Einfluss der einheimischen wilden Huftiere durch das Äsen von Baumtrieben („browsing“) die Waldverjüngung behindere oder verunmögliche. Der Vortrag geht der Frage nach, wie der Einfluss der Herbivoren in den gängigen forstlichen Ansätzen untersucht wird und welche Schlussfolgerungen gezogen werden. Diese werden im Rahmen ökologischer und populationsbiologischer Überlegungen zu Baum- und Huftierpopulationen geprüft und mit den Ergebnissen entsprechender Untersuchungen verglichen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Frage, für welche räumlichen und zeitlichen Skalen verschiedene Zusammenhänge gültig sind. Die Überlegungen zeigen, dass die gängigen Ansätze des relativ grossflächigen Verbissmonitorings kaum Aussagen zur erwarteten Walddynamik unter Huftiereinfluss liefern und besser durch gezielte punktuelle Massnahmen im Rahmen klar definierter Managementziele ersetzt würden.
17. Oktober 2011
Dr. Dominique Guenat, Schweiz. Hochschule für Landwirtschaft SHL, Zollikofen: Kartoffelanbau in Bhutan: zum essen oder zum verkaufen?
In Zentral-Bhutan, bis Ende der siebziger Jahre, wurden Kartoffeln fast nur in Hausgärten angebaut, für den eigenen Konsum der Familien, und zwar als Gemüse. Dann kamen grosse Baumaschinen aus Indien die eine Strassenverbindung mit Indien eröffneten. Der Weg zum Markt! Kartoffelanbau wurde allmählich expandiert, bis (fast) jeder bhutanesische Bauer in dieser Region zum Kartoffelbauer wurde. Der Kartoffelkonsum hat in dieser Zeit aber kaum zugenommen, die ganze Produktion wurde verkauft, meistens um Reis zu kaufen… denn in Bhutan Reis essen ist richtig essen!
24. Oktober 2011
Philipp Holzherr, Projektleiter Garten- & Ackerpflanzen, ProSpecieRara: Blaue Schweden, knorrige Parli – der Kartoffel-Schatz aus der Schweiz
Die Vielfalt an lokalen Nahrungspflanzen war vor der globalisierten Zeit beträchtlich. Nicht nur für die einzelne Bauernfamilie oder Gemeinde, sondern über das ganze Land oder den Kontinent gesehen. Traditionelle Kartoffelsorten erzählen bis heute von dieser Zeit. Die Stiftung ProSpecieRara sorgt dafür, diese Vielfalt zu erhalten, sowie Liebhabern und Feinschmeckern zugänglich zu machen. Dass der Schweizer Kartoffel-Schatz sogar zur Nahrungsgrundlage der Zukunft beiträgt, ist die aktuelle, grosse Herausforderung.
31. Oktober 2011
Beat Fischer, Büro für Angewandte Biologie, Bern: Luberon – ein farbiger Blumenstrauss aus der Provence
Die Gebirgskette des Luberons in Südfrankreich zählt zu den letzten Ausläufern der Alpen und wird durch ein mildes, mediterranes Klima beeinflusst. Die ländlich geprägte Gegend ist durch seine auf Felshängen thronenden malerischen Dörfer bekannt und besticht durch ihre vielfältigen Strukturen: Bunte Lavendelfelder wechseln sich ab mit attraktiven Trockenwiesen und kleinräumigen Garrigue-Flächen. Die lichten Wälder werden von Flaum- und Stein-Eichen dominiert. Auch dank der extensiven Landwirtschaft und den geologischen Besonderheiten findet sich im Luberon eine artenreiche Flora mit rund 1500 Pflanzenarten, inklusive dem Zapfenkopf (Rhaponticum coniferum), der Lorbeerblättrigen Zistrose (Cistus laurifolius) oder der Schnepfen-Ragwurz (Ophrys scolopax).
14. November 2011
Dr. Kathrin Studer, Freischaffende Botanikerin, Muri: Goetheanistische Botanik – was bedeutet sie mir?
Nachdem ich am Berner Institut of Plant Sciences über Jahre Bewegungen in Pflanzengesellschaften im kleinen Massstab untersucht habe, bin ich während meiner Mutterschafts-Auszeit auf die Arbeiten der klassischen goetheanistischen Botaniker gestossen. Zahlreiche Untersuchungen beschreiben die Lebensbewegungen von Pflanzenindividuen (Ontogenese) wie auch diejenigen der Artenentwicklung (Phylogenese). An Beispielen soll vorgestellt werden, welche Entwicklungsbewegungen beschrieben sind und wie sie in Zusammenhang mit der Umwelt gebracht werden. Der Zusammenhang zwischen dieser Forschung und Goethes naturwissenschaftlicher Methodik soll beleuchtet werden.
21. November 2011
Peer Schilperoord, Biologe, Alvaneu: Weizen, eine goetheanistische Betrachtung
Der Weizen ist in aller Munde und trotzdem als Pflanze eine grosse Unbekannte. Nur wenige Menschen können mit Sicherheit die Hauptgetreidearten Weizen, Gerste und Roggen von einander unterscheiden. Wie kann man die Gestalt der Getreidepflanze verstehen? Wie lässt sich der Weizen charakterisieren. Hat das eine Bedeutung für den Qualitätsbegriff? Wie unterscheiden sich Landsorten von modernen Zuchtsorten und ist die “Sehnsucht” nach alten Sorten berechtigt? Das Ziel der goetheanistischen Methode ist eine intensive Begegnung mit der Pflanze und dadurch zu einem vertieften Verstehen.
5. Dezember 2011
Esther Meduna, Projektkoordinatorin Zierpflanzen, ProSpecieRara: Eiger, Mönch und Jungfrau – Was haben Bergnamen mit Zierpflanzen zu tun?
Häufig erhielten Schweizer Zierpflanzenzüchtungen die Namen der umliegenden Bergen, Seen oder Städten. Viele dieser Sorten sind mittlerweile aber bereits nicht mehr vorhanden. Deswegen hat ProSpecieRara das Zierpflanzenprojekt ins Leben gerufen. Ziel ist es, Zierpflanzen einerseits als Zeitzeugen und andererseits als Teil unseres kulturellen Erbes zu bewahren. Anhand von Beispielen wird die Erhaltungsarbeit von ProSpecieRara vorgestellt.
12. Dezember 2011
PD Dr. Hans-Christoph Vahle, Akademie für angewandte Vegetationskunde, Witten (D): Ravensberger LichtLandschaften – Steigerung der Vegetationsvielfalt in einer ausgeräumten Agrarlandschaft nördlich von Bielefeld
Auch in einer intensiv genutzten westfälischen Ackerbaulandschaft schlummert ein großes Potenzial ganz anderer Möglichkeiten. Mit Hilfe der Pflanzensoziologie finden wir heraus, welche Vielfalt an Wildpflanzen-Arten und -Gesellschaften hier wachsen könnte. Wir legen dabei den Schwerpunkt auf extensive Kulturlandschafts-Vegetation, die durch Lichtstellung vom Menschen erhalten wird, wie Wiesen, Heiden und Klarwasser-Teiche. Durch unsere tatkräftige Initiativgruppe werden diese artenreichen, seltenen und regionaltypischen Pflanzengesellschaften neu etabliert.